12. Mai 2017

EKD legt Positionspapier zu Flucht und Integration vor


Impulse zur Debatte über Flucht und Integration bietet die heute vorgestellte Publikation der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie steht unter dem Titel ‚„… und ihr habt mich aufgenommen.“ Zehn Überzeugungen zu Flucht und Integration aus evangelischer Sicht‘

Sie geht knapp und prägnant auf zentrale Aspekte der gesellschaftlichen Diskussion ein – von Menschenwürde bis Rechtsstaatlichkeit, von Religionsfreiheit bis Familienzusammenführung.

Biblisches Leitmotiv ist ein Vers aus dem Matthäusevangelium: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35) „Als Christen sind wir aufgerufen, uns an die Seite von Schutzsuchenden zu stellen,“ so Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Vorsitzender der Kammer der EKD für Migration und Integration. Es gelte, Wege aus der Not zu suchen. Entsprechend geht der Text nicht nur auf die Situation geflüchteter Menschen in Deutschland ein, sondern unterstreicht die globale Dimension des Problems Flucht und damit die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft.

Die aktuelle Stimmung in Deutschland nimmt die ebenfalls heute vorgestellte Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SI) der EKD in den Blick. Das SI hat seit November 2015 regelmäßig die Erwartungen der deutschen Bevölkerung zur Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland untersucht. Die jüngste Befragung vom April 2017 zeigt, dass die Stimmungslage in Deutschland stabil ist. In den westlichen Bundesländern herrscht eine eher zuversichtliche Haltung vor, im östlichen Bundesgebiet eher Skepsis. „Bemerkenswert ist allerdings, dass hier die Quote der aktuell Engagierten im April 2017 auf 7,7 Prozent gestiegen ist – sie liegt erstmals über der im westlichen Bundesgebiet mit 7,4 Prozent. Dieses Engagement verdient große Anerkennung gerade angesichts der dort vorherrschenden Skepsis der Mehrheit der Bevölkerung“, so Petra-Angela Ahrens vom SI.

Genauer untersucht wurde in der aktuellen Studie die Haltung der Menschen zu Abschiebung und Zuzug. Hier zeigt sich, wie die Einbeziehung der konkreten Situation abgelehnter Asylbewerber die Meinung der Befragten beeinflusst: Die pauschale Frage, ob abgelehnte Asylsuchende in jedem Fall abgeschoben werden sollten, bejahten knapp 39 Prozent der Befragten. Auf die Frage hin, ob dies auch gelten solle, wenn ihre engsten Familienangehörigen in Deutschland bleiben dürfen, änderte ein Großteil dieser Befragten seine Meinung: Nun sprachen sich 52,8 Prozent von ihnen doch dafür aus, diese zu dulden. Und sogar weit über 70 Prozent von ihnen war für eine Duldung, wenn die abgelehnten Asylsuchenden bereits eine eigene Existenz in Deutschland aufgebaut haben oder schon mehrere Jahre in Deutschland leben und gut integriert sind (74,5 Prozent). „Blickt man also auf die konkreten Kontexte und Konsequenzen von Abschiebungen, zeigt sich eine breite humanitäre Grundhaltung in der Bevölkerung“, so Ahrens.


Die Broschüre zum herunterladen

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