02. September 2017
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Was ist Gerechtigkeit?


"Gerechtigkeit empfinden immer nur die Sieger." Diesen Satz fand ich bei der Vernissage der Ausstellung "Türen öffnen - Gerechtigkeit leben" im Klinikum Neunkirchen. Menschen aus Einrichtungen der Diakonie Saar haben zum Jubiläum der Reformation Türen zum Thema "Gerechtigkeit" gestaltet.

Der Satz war auf einer Tür, die Teilnehmende am freiwilligen sozialen Jahr angefertigt haben.

Das ist so ein Satz, der an meinem Selbstbewusstsein knabbert. Gerechtigkeit ist doch so ein schönes, neutrales Wort. Gerechtigkeit ist doch so ein wert nach dem jeder strebt, der aber unter Menschen nur schwer zu realisieren ist.

Beim näheren Nachdenken müssen wir dann aber vielleicht doch zugeben, dass wir manches auch nur deswegen als gerecht empfinden, weil es uns gut geht, wenn alles so bleibt, wie es ist.

Ehrlicherweise müsste ich ja zugeben, dass es nicht gerecht ist, dass es mir so viel besser geht als vielen anderen Menschen, als Flüchtlingen, als Schwerkranken, als Menschen, deren Rente nicht reicht oder als Menschen, die sich gemobbt fühlen.

‚Gerechtigkeit empfinden immer nur die Sieger‘: Ich kann lernen, froh zu sein über das was ich hab: Gesundheit, Geld, genug zu essen und eine Arbeit die auch Spaß macht. Und kann schauen, wie ich anderen helfen kann, denen es nicht so gut geht. Der Satz bringt mich auf die Spuren der Reformation, wenn sie sagt: Was du hast, was du bist, ist nicht den Verdienst, es ist Geschenk.

‚Gerechtigkeit empfinden immer nur die Sieger‘: Der Satz kann mir helfen, mein Leben neu zu ordnen.

 

Losung für Samstag, den 2.9.2017:

Eure Sünden halten das Gute von euch fern. Jeremia 5,25

Der Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Lukas 18,13

 

Im evangelischen Gesangbuch steht ein Gebet (eg 876):

Gott, du schenkst mir in der Mitte des Tages ein paar Minuten der Stille.

Die Ruhe tut mir gut.

Ich danke dir.

Vor dir denke ich nun an die vielen Unruheherde in dieser Welt, an die Menschen, die leiden, weil sie zum Krieg gezwungen werden, an Mütter und Väter, die ihren Kindern nicht die nötige Nahrung und Bildung geben können.

Ich sehe zum Skelett abgemagerte Kinder und Straßenkinder. Haben wir keine Zukunft für sie? Muss der Gegensatz zwischen Reichen und Armen immer noch schlimmer werden? Zeige uns gerechtere Wirtschaftsstrukturen, Wege zu sozialem Frieden, Möglichkeiten, sinnvoll zu helfen, daß wir lernen, miteinander als deine Kinder, als Brüder und Schwestern zu leben.





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