30. Juli 2019

„Der Bergbau ist die Wurzel der saarländischen Gesamtkultur“


Die Evangelische Akademie im Saarland will seit vielen Jahren mit ihren Angeboten dazu beitragen, die heutige wirtschaftliche und soziale Situation des Saarlandes verständlich zu machen und auf die Traditionen und die Geschichte hinzuweisen. Dabei lautet das Motto: Bildung durch Begegnung.

So  bietet  die Akademie Exkursionen zu den Orten an, die die vielen Aspekte des Bergbaus und der industriellen Entwicklung abbilden: ehemalige Bergwerke, Halden, Fördertürme, technische Anlagen, Arbeiterhäuser und Unternehmervillen, Landmarken, Kirchen und Kapellen mit sozialgeschichtlichen Bezügen, Denkmäler, Museen und Zeugnisse in der Kunst. Auch Vorträge und Diskussionen widmeten sich dem Thema. Gleichzeitig wird in den Blick genommen, welche Entwicklungen in Gang gekommen sind, welche Vorhaben nur mühsam Schwung gewinnen beziehungsweise nicht verwirklicht sind.

 

Der Bergbau an der Saar ist seit der keltischen Zeit durch Ausgrabungen und seit 1429 auch schriftlich belegt. Bergbau wurde anfangs nur obertägig betrieben und das Kohleflöz nur an der Oberfläche abgegraben. Erst als Fürst Wilhelm Heinrich zu Nassau-Saarbrücken 1751 den gesamten Kohleabbau im Land an der Saar verstaatlichte, begann der systematische Abbau mit einer starken Steigerung der Förderung.

 

Ein „Staat im Staate“

 Anders als in anderen Revieren blieb die Steinkohlenförderung seitdem ununterbrochen in staatlicher Hand. Das hatte entscheidende Auswirkungen auf die Lebenswelt der Menschen an der Saar. In Hochzeiten arbeiteten 70.000 Menschen auf den Gruben. Rechnet man die Familienangehörigen und die Zulieferer hinzu, etwa Handwerker, Bäckereien und viele mehr, wird deutlich, dass der Bergbau die Schlüsselindustrie war, ein „Staat im Staate“. Kaum eine Familie im Saarland, in deren Familiengeschichte sich nicht ein Bergmann findet.

 

„Der Bergbau ist die Wurzel der saarländischen Gesamtkultur“, sagt Delf Slotta, ausgewiesener Kenner saarländischer Bergbau- und Industriekultur und Direktor des Instituts für Landeskunde im Saarland. Er begleitet als Referent und konzipiert die  meisten der Akademie-Exkursionen zu den industriegeschichtlichen Denkmälern. Ein Blick in die Geschichte sei der Schlüssel zum Verständnis der heutigen Strukturen, nicht nur bezogen auf wirtschaftliche Aspekte, sondern auch auf das soziale Gefüge, die Architekturen, Landschaftsformen und kulturellen Prägungen, so Slotta.

 

Am 30. Juni 2012 endete mit der Schließung des Bergwerks Saar der 261 Jahre währende industrielle Steinkohlenbergbau an der Saar. Die Gründe für die Beendigung des Bergbaus waren zum einen die ökonomischen Rahmenbedingungen für den deutschen Bergbau sowie die von immer mehr Menschen nicht mehr tolerierten Zerstörungen durch den Untertage-Abbau. Die schweren Erschütterungen mit erheblichen Schäden im Bereich der Primsmulde im Jahre 2008 führten schließlich zu einem Abbaustopp.

 

Im Zusammenhang mit den Grubensenkungen und den Auswirkungen auf die Häuser hatte die Evangelische Akademie vor mehreren Jahren gemeinsam mit der örtlichen Kirchengemeinde zu einem mehrmonatigen Workshop nach Völklingen-Fürstenhausen geladen. Themen: Die weitreichenden Auswirkungen auf das Ortsbild, die Häuser, das soziale Zusammenleben und die betroffenen Menschen. Das Ergebnis wurde schließlich in einer Ausstellung dokumentiert.

 

Fotografieren und Wandern

 Der in die Zukunft gerichtete Umgang mit den Zeugnissen und Hinterlassenschaften dieser Epoche ist eine notwendige aber auch schwierige Aufgabe. Die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag 2017 vier Standorten – Velsen,  Luisenthal, Camphausen und Itzenplitz -  hohe Priorität zugesprochen, die unterschiedlich bewahrt und gestaltet werden sollen. Der Standort ehemaliges Bergwerk Reden gilt als der zurzeit am weitesten entwickelte.

 

Exkursionen und Fotoworkshops der Akademie führen auch nach Lothringen und Luxemburg. Denn das Saarland verbindet mit der Region Region Saar-Lor-Lux plus Belgien eine gemeinsame Montangeschichte. Die Angebote, etwa in der luxemburgischen und französischen Minettenerzregion, richten sich auch an Menschen, die über ihre Interessen wie Fotografieren und Wandern für den Bergbau und seine Geschichte zu interessieren sind. So sind mehrere Fotoausstellungen an sehr unterschiedlichen Orten entstanden. Hans-Herrmann Bendzulla

 

Das Programm im 2. Halbjahr 2019

 Im Sommer und Herbst 2019 bietet die Akademie Exkursionen zu „Arbeiterhäusern und Unternehmervillen im Saarland“ (25. August) und  zu „Kirchbauten mit industriellen Bezügen“ (12. Oktober) an. Eine vierstündige Wanderung führt in die Industrielandschaft „Heinitz-Dechen“ bei Neunkirchen (6. Oktober). Spaziergänge in Saarbrücken erschließen die Gegend um den Eurobahnhof mit der Bergwerksdirektion (22. August) und die industrielle Vergangenheit der Landeshauptstadt, etwa den Bürgerpark (18. Oktober).


Weitere Informationen und Anmeldung bei der Evangelischen Akademie im Saarland, Telefon (06898) 169622, E-Mail: buero@eva-a.de. www.eva-a.de

 

 

 

 

 





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