23. Januar 2022

Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagte


Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) tagte vom 16. bis 20. Januar, corona-bedingt erneut im digitalen Format. Zehn Saarländerinnen und Saarländer nahmen an der Tagung teil.

„Seelsorge“ als Muttersprache der Kirche stand im Mittelpunkt der diesjährigen Landessynode. Sie sei sowohl Kernaufgabe wie auch Kernkompetenz der Kirche. Um Seelsorge auch künftig umfassend anbieten zu können, wird ein Schwerpunkt auf der Gewinnung, Ausbildung und Begleitung von ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern liegen. Zudem sollen digitale Kontaktmöglichkeiten und Seelsorge-Formate ausgebaut werden, hohe ethische und fachliche Standards sollen die Qualität gewährleisten. Unter dem Titel „Was die Seele braucht“ wurde dazu ein Grundsatzpapier verabschiedet.

„Wir können das Abendmahl in Wahrung der je eigenen Tradition gemeinsam feiern – weil eben Christus der Einladende ist und wir nur gemeinsam Gäste am Tisch des Herrn sind“, stellte Dr. Thorsten Latzel in seinem ersten Rechenschaftsbericht als Präses der EKiR klar. Er unterstrich, dass die Zukunft der Kirche ökumenisch sei. Darüber hinaus versprach er weitere Unterstützung für die Betroffenen aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, insbesondere in der Seelsorge.

Inhaltlich will die Rheinische Landeskirche in den nächsten Jahren verstärkt im Bereich Nachhaltigkeit tätig werden. Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche sollen bis spätestens 2027 entscheiden, welche ihrer Gebäude sie langfristig benötigen. Diese sollen bis 2035 treibhausgasneutral ertüchtigt werden.
„Das ist ein anspruchsvolles Ziel, aber es wichtig, dass wir uns auf dieses Ziel geeinigt haben“, bewertet der saarländische Superintendent Christian Weyer (Kirchenkreis Saar-West) diesen folgenreichen Beschluss. Herausragend sei für ihn daran vor allem gewesen, dass die Landeskirche sich auch selbst in die Pflicht genommen sowie sich auf verbindliche Maßnahmen und Ziele verständigt habe.

Auch zwei andere Beschlüsse haben Auswirkungen bis in die Kirchengemeinden vor Ort: Gremiensitzungen können künftig grundsätzlich auch digital oder in hybrider Form abgehalten werden, ohne dass es dafür eine besondere Ausnahmesituation erfordert. Zum anderen wurde per Kirchenordnungsänderung das Verfahren der Presbyteriumswahlen flexibilisiert. Für die nächsten Wahlen 2024 gibt es nun zwei Möglichkeiten. Gemeinden können ein neues Wahlverfahren – bestehend aus Online-Wahl, Antragsbriefwahl und Urnenwahl – anwenden oder alternativ eine allgemeine Briefwahl durchführen. Eine reine Präsenzwahl ist nicht mehr möglich.

Personelle Veränderungen gibt es ab September im Landeskirchenamt: Mit großer Mehrheit wählten die Synodalen Pfarrerin Dr. Wibke Janssen zur Oberkirchenrätin und hauptamtlichen Mitglied der Kirchenleitung in Nachfolge von Barbara Rudolph, die aus gesundheitlichen Gründen im Herbst in den Ruhestand tritt. Mit diesem Amt verbunden ist die Leitung der Abteilung Theologie und Ökumene. Janssen konnte sich bereits im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerber und eine Mitbewerberin durchsetzen. Die in Ostfriesland geborene 56-jährige Theologin ist derzeit noch Schulpfarrerin an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule in Bonn.

Ferner verurteilt die Synode die Morddrohungen gegen die Herner Pfarrerin Melanie Jansen aufs Schärfste. Die Pfarrerin aus der Kreuz-Kirchengemeinde Herne (Evangelische Kirche von Westfalen) organisiert wöchentlich Friedensgebete und gedenkt dabei der Opfer der Corona-Pandemie. Nach dem jüngsten Friedensgebet hatte sie zum wiederholten Mal eine Todesdrohung erhalten.

 

Weitere Informationen zur Landessynode sind unter www.ekir.de/landessynode zu finden (Livestreams sind ab Ende der Synode zwei Monate lang abrufbar) sowie unter www.seelsorgeistda.de

Hintergrund „Landessynode“
Die in der Regel Anfang Januar und damit als erste aller EKD-Gliedkirchen jährlich tagende Landessynode ist das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Sie entscheidet über die wichtigsten Belange der Landeskirche. Von den mehr als 2,3 Millionen Mitgliedern der rheinischen Kirche, die zwischen Niederrhein und Saar in 37 Kirchenkreisen mit 643 Kirchengemeinden organisiert sind, gehören knapp 67.800 zu Hessen. Im Kirchenkreis an Lahn und Dill gibt es insgesamt 43 Kirchengemeinden. Oberster Repräsentant der EKiR als der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland ist seit 2021 Präses Dr. Thorsten Latzel. Er steht gleichzeitig der Kirchenleitung vor, die in der Zeit, in der die Landessynode nicht tagt, die Geschäfte führt.





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