30. August 2017

Rekowski: Verantwortung für Flüchtlinge endet nicht an Grenzen


Die evangelischen Kirchen und die saarländische Landesregierung waren in Saarbrücken zu einem Spitzengespräch zusammen gekommen. Dabei ging es unter anderem um die Flüchtlingsfrage und den Umgang mit Populisten. Zum Abschluss gab es eine Pressekonferenz.

In der Flüchtlingsfrage braucht es nach Ansicht des rheinischen Präses Manfred Rekowski Lösungen für die Menschen, die in Afrika oder dem Mittelmeer auf der Flucht sind. «Wir haben eine Verantwortung, und die endet nicht an Europas Grenzen», sagte er in Saarbrücken nach einem Es sei falsch, so zu tun, als ob die Herausforderungen verschwänden, wenn die Flüchtlinge nur weit genug von Europa weg seien. Eine tragfähige Lösung in Libyen sei beispielsweise schwer vorstellbar.

Bei der Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland und ihrer Integration in den vergangenen Monaten seien Kirche und Regierung «nicht immer im Gleichschritt unterwegs gewesen», betonte Rekowski. Jetzt stelle sich die Frage, wie alles Weitere organisiert werde.   Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad sagte, dass jetzt die «harte Arbeit» der Integration beginne. Maßnahmen im Schul- und Ausbildungsbereich seien nun wichtig. Er habe bisher eine «hohe Ehrfurcht» der Flüchtlinge vor älteren Menschen festgestellt. «Deswegen sind sie auch im Pflegeberuf sehr gut einsetzbar», betonte er.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hob hervor, dass bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die individuelle Hilfe im Vordergrund stehe. «Wir wollen nicht ein Instrumentarium, das für alle gilt», betonte sie. Ob nun jemand 17,5 oder 19,5 Jahre sei, sei egal, wenn derjenige traumatisiert sei und Hilfe brauche.  Die Bundesländer debattieren zurzeit darüber, das Jugendhilferecht für junge Flüchtlinge zu ändern. Aktuell haben Jugendliche keinen Anspruch mehr auf Jugendhilfe, sobald sie 18 Jahre alt werden.

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad wirbt für die Auseinandersetzung mit Populisten. Wenn aber von vorneherein kein Interesse an einem Gespräch bestehe, sei das verlorene Zeit, sagte er. Schad erklärte, dass einige evangelische Gemeindemitglieder populistischen Einstellungen nahe stünden. Es müsse darum gehen, mit ihnen und anderen über die «Themen hinter den Themen» zu sprechen.

So hätten manche Leute vor Flüchtlingen und Migranten Angst, weil sie in ihrem eigenen religiösen Standpunkt sprachlos geworden seien, sagte Schad. Denn Muslime verträten ihre Religiosität viel deutlicher und offener als viele Christen. Das 500. Reformationsjubiläum habe auch dabei helfen sollen, sich der eigenen Religion zu vergewissern, sagte das Oberhaupt der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Rekowski sagte, viele Menschen hätten Abstiegsängste. Manche lehnten auch eine offene Gesellschaft ab, für die sich die Kirchen allerdings einsetzten. Des Weiteren stelle die Globalisierung viele Menschen vor eine Herausforderung, da sie nicht mehr wüssten, ob Berlin, Saarbrücken, Brüssel oder jemand anders Verantwortung für Entscheidungen trage, erklärte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Wenn Parteien oder Bewegungen aber die Legitimation von gewählten Politikern oder demokratischen Institutionen infrage stellten, sei das eine große Gefahr, sagte Rekowski. In solchen Situationen müsse sich die Kirche ganz klar für das Gemeinwesen und gegen solche populistischen Äußerungen positionieren.

Die Kirchen hätten nicht die Aufgabe, Politik zu machen, erklärte Rekowski. Die Weltverantwortung sei aber ein wichtiges Thema. Dazu gehöre auch, vergleichbare Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land zu schaffen. Kirche und Politik seien in strukturschwachen Regionen sehr herausgefordert. Pfälzische und rheinische Kirche sowie die saarländische Landesregierung haben sich deswegen darauf verständigt, ihr Gespräch im kommenden Jahr unter die Überschrift «Demografische Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Situation der Kirchen und des Landes zu stellen».

epd





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