03. April 2026

Karfreitag – Pause vor der Osterfreude


In meiner Kindheit habe ich vor Ostern immer gespannt gewartet, ob die Klepperkinder kommen. Hören konnte man sie schon von weitem. Die Kirchenglocken bleiben an den Kartagen vor Ostern stumm. Dafür sind die Klepperkinder unterwegs. Um das fehlende Glockengeläut auszugleichen, ziehen sie mit Kleppern und Gesang durch die Straßen. Am Karsamstag klingeln sie an den Haustüren und sammeln Spenden – und manchmal kleine Geschenke. Für mich als evangelisches Kind war dieses katholische Brauchtum spannend, wenn die Kinder an unsere Haustür kamen und ich ihnen Eier und Süßigkeiten geben durfte.

Aber nicht nur der Lärm der Kleppern bewegt mich in den Tagen vor Ostern, sondern auch das, was man nicht hört. Wenn die Glocken schweigen, macht mir das bewusst: Karfreitag ist anders. Der Gottesdienst ist aus dem Rhythmus gebracht. Er hat einen anderen Ablauf, der Schmuck in den Kirchen ist weggeräumt, es herrscht eine ernste Stimmung. Andere Feiertage sind von Freude und Treiben geprägt, aber hier hat man den Eindruck, das Leben legt eine Pause ein. Es ist ein Tag der Stille und der Trauer.
Das hat seinen Grund: An diesem Tag erinnern sich Christinnen und Christen an die Kreuzigung Jesu. Das bedeutet Tod, Trauer und Leid.

Auch wer nicht religiös ist, kann diese besondere Stimmung spüren: Es ist ein „stiller Feiertag“. Die Geschäfte sind geschlossen, die Meisten haben einen freien Tag und es herrscht Tanzverbot. Manch einer Person mag das nicht gefallen, Innehalten und Trauer.

Ich sehe das so: Der Karfreitag bietet einen Moment, an dem die Welt kurz durchatmen kann – und wir vielleicht mit ihr. Wer möchte, kann die öffentliche Ruhe genießen. Die Zeit mit der Familie auskosten. Vielleicht auch die Hausarbeit aufschieben. Es ist wichtig, Ruhe auch mal zuzulassen, denn oft genug im Leben kommt unsere Rast zu kurz. Ich nutze den Karfreitag als Pause, denn der Tag erinnert mich daran, von Zeit zu Zeit anzuhalten. Ich muss nichts leisten. Ich darf einfach in die Stille versinken.

Und wie ist es mit der Traurigkeit? Auch die ist wichtig, denn Trauer ist eine menschliche Erfahrung. An Karfreitag erlaube ich mir, traurig zu sein – nicht, weil ich das muss, sondern weil ich weiß: Trauer gehört zum Leben dazu. Manchmal brauche ich das, um die Freude danach besonders stark zu fühlen.

Denn wir wissen: Die Osterfreude wird kommen nach der Trauer. Ostern rundet Karfreitag als höchsten Feiertag ab. Dieser Tag macht Ostern verständlich. Der Karfreitag lehrt uns: Wer die Trauer mitfühlt, kann die Freude von Ostern wirklich spüren.
Ich sehe diesen Tag als Einladung sich zu sammeln und zur Ruhe zu kommen. Vielleicht hören Sie heute oder morgen die Klepperkinder in Ihrem Ort – und finden Ihren Moment der Stille.

 

Sabrina Dietrich ist Vikarin in der Evangelischen Kirchengemeinde Lebach-Schmelz. Als Vikarin ist sie in der praktischen Ausbildung zur Pfarrerin nach ihrem Theologiestudium.





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