04. Dezember 2021
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Vergessen


Vielleicht haben Sie ja auch den Zapfenstreich für Angela Merkel im Fernsehen geschaut. War ein bisschen schwierig zu finden, wer es wann überträgt, aber hat sich gelohnt.

Auch wenn diese militärische Zeremonie des Zapfenstreiches ein bisschen aus der Zeit gefallen ist und seltsam anmutet. So bleibt es doch ein würdiges Ritual, mit dem die Republik einem Menschen dankt, der sich in besonderer Weise verdient gemacht hat für Volk und Demokratie.

Ein bisschen gelockert wird es durch die Musikwünsche der so Geehrten. Und da hat Angela Merkel mal wieder deutlich gemacht, dass sie für Überraschungen gut sein kann und über einen ganz speziellen Humor verfügt.

Gut, ‚Großer Gott wir loben dich‘ hätte man drauf kommen können, aber die anderen beiden Lieder. Das hatte was. Musikalisch war es eine Herausforderung, mit der MilitärmusikerInnen so ihre Probleme hatten.

 ‚Für dich solls rote Rosen regnen – dir sollten sämtliche Wunder begegnen‘, das war mal was anderes als ‚winds of change‘, my way‘ oder ‚life ist life‘. Da war Sehnsucht nach gelungenem Leben in seiner ganzen Fülle zu spüren.

Und ‚du hast den Farbfilm vergessen‘, das war für mich ganz große Botschaft. Nina Hagen, die alte Punkerin mit ihrem Lied von der geplatzten Urlaubsfreude, weil sie nun nicht mehr angeben kann mit bunten Urlaubsbildern. Da kam trotz der sehr eigenwilligen Musikdarbietung etwas rüber davon, dass das Leben auch bei allem guten Willen nicht immer perfekt läuft, nicht durchgeplant werden kann, dass manches auf der Strecke bleibt. Es bleibt natürlich Spekulation, ob die Kanzlerin dieses Lied eher aus nostalgischen Gründen als Lied ihrer Jugend gewählt hat oder als soundtrack ihres Lebens.

Aber für mich ist es eine fluffige Darstellung der Wirklichkeit. Das Leben verläuft nicht nach Plan. Irgendwas geht immer schief. Und gleichzeitig zeigt mir (zumindest im Original) Nina Hagen mit ihrer piepsigen Stimme, dass das ärgerlich ist, aber im Kern nicht so schlimm. Das Lied hat etwas von diesem ‚Hinfallen – aufstehen – Krönchen richten – weiter geht es‘.

Vielleicht hilft uns das insgesamt im Umgang miteinander: Keiner ist frei von Fehlern und Irrtümern. Aber davon dürfen wir uns alle nicht kaputt machen lassen.

Nicht vergessen werden sollte allerdings, dass der Dichter dieses Liedes wegen Kindesmissbrauch verurteilt wurde. Das könnte Einem das Lied dann doch wieder verleiden. Oder es bleiben Erinnerungen an einen schönen Text und vor Allem an Nina Hagens Interpretation.

 

Losung für Samstag, den 4.12.2021:

Israel aber wird errettet durch den HERRN mit einer ewigen Rettung, und ihr werdet nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich. Jesaja 45,17

Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Matthäus 13,43

 

Im Gesangbuch steht ein Gebet (eg 923):

Gott, ich vertraue dir,

dir kann ich es sagen:

Ich soll antworten und weiß nicht was.

Ich soll Probleme lösen und weiß nicht wie.

Ich soll Menschen verstehen und kann es nicht.

Ich fühle mich überfordert und habe Angst zu versagen.

Du kannst mir helfen:

Nimm mir die Angst.

Gib mir ein ruhiges Herz.

Schenke mir klare Gedanken.

Es ist noch so viel, was mein Leben reich macht.

Erhalte mir, Herr,

ein waches Bewusstsein für den Reichtum meiner Tage.

Ich will nicht klagen über das, was mich beschwert;

freuen will ich mich,

dass ich deiner Treue gewiss sein darf und deiner Vergebung.

Hilf mir, Herr, dass ich den Menschen meiner Umgebung

mit offenen Augen begegne.

Ich weiß nicht,

wie viel Zeit du mir noch zumessen wirst.

Darum will ich dir danken, Gott,

für jeden Tag und jede Stunde, die du mich leben lässt.





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