24. September 2022
Christina Wochnik zu einem aktuellen Thema:

Das Weltall – unendliche Weiten


Von Juri Gagarin, dem ersten Kosmonauten der Welt, wird folgende Anekdote erzählt: Nach seinem ersten Raumflug im Jahre 1961 wurde für Gagarin ein Empfang gegeben.

Neben dem Regierungschef der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, war auch der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche, Alexi I., anwesend. Der Patriarch nahm Gagarin zur Seite und fragte ihn leise: „Haben Sie Gott gesehen, als Sie im All waren?” Gagarin verneinte die Frage. „Mein Sohn”, sagte Alexi I. daraufhin beschwörend, „bitte behalten Sie das für sich.” Kurz darauf kam auch Chruschtschow und stellte Gagarin dieselbe Frage: „Haben Sie Gott gesehen, als Sie im All waren?” Aus Respekt vor dem Patriarchen der Kirche gab Gagarin zur Antwort, ja, er habe Gott gesehen. „Lieber Juri”, bat Chruschtschow ihn dringend, „bitte, das dürfen Sie niemandem verraten.”

„Haben Sie Gott dort oben gesehen?” Hinter dieser Frage der beiden so verschiedenen Männer steht ein tiefsitzender menschlicher Wunsch. Wenn auch aus zwei Perspektiven. Der Wunsch, es genau wissen zu wollen. Das eigene Bild der Welt und des Lebens bestätigt zu bekommen. Beweise zu haben. Das sehen mit eigenen, oder zumindest fremden Augen.

Das kann ein Gefühl der Sicherheit schaffen. Vielleicht auch der Überlegenheit anderen gegenüber. Ich habe Recht!

„Haben Sie Gott dort oben gesehen?” Wenn Kinder hier bei uns Bilder von Gott malen, dann ist er häufig ein alter, weißer Mann mit grauen Haaren, der auf einer Wolke sitzt. Das ist eine ähnliche Vorstellung, wie sie hinter der Frage der beiden Männer steht. Wohnt Gott also oben in den Wolken? Ist das der Himmel?

Im 1.Buch der Könige heißt es:

Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

Salomo spricht diese Worte zur Einweihung des Tempels. Schon Salomo wusste: weder Erde noch Himmel können Gott fassen. Gott ist außerhalb unserer Welt. Er ist nicht dingfest zu machen an einem Ort in unserer Welt. Sei er auch noch so fantastisch wie seinerzeit der Tempel des Salomo, wie das Weltall für die ersten Kosmonauten oder wie unsere Kirchen heute. Nichts davon fasst Gott wirklich. Und trotzdem ist Gott an all diesen Orten. Und an vielen Orten mehr.

Denn es ist genau andersherum, als es die Frage der beiden Männer in der Anekdote und die Kinderbilder vermuten lassen: Nicht wo der Himmel ist, ist Gott. Dort, wo Gott ist, da ist der Himmel!





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