07. September 2019
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Ein weites Feld – die Demokratie


Demokratische Entscheidungsfindung wirkt manchmal, wie wenn jemand im Nebel stochert. Weil zum Wesen der Demokratie auch immer das Werben um Mehrheiten, um Zustimmung gehört. Ich muss nicht nur das Beste wollen, ich muss auch Menschen finden, die mich unterstützen.

Allein im Besitz der Wahrheit zu sein, nützt noch gar nichts.

Ob Boris Johnson im Besitz von Wahrheiten ist, wird nicht so ganz deutlich. Aber seit Jahren gewinnt er Mehrheiten mit der These, dass er den besten Weg für sein Volk kennt. So hat er geholfen den Brexit durchzusetzen. So hat er seiner Premierministerin das Leben schwer gemacht, so wurde er selbst Premierminister. Und muss lernen, dass zur Demokratie nicht nur gehört, Stimmen zu sammeln, Mehrheiten zu gewinnen, sondern auch mit ihnen umzugehen.

Das macht Demokratie auch so menschlich: Träume zerplatzen manchmal sehr schnell, weil auch jemand Gewähltes immer wieder neu um Unterstützung werben muss. Gerade wo Demokratie herrscht, brauche ich Menschen, die mit mir gehen, die mich beraten, mich korrigieren, mir helfen Kompromisse zu finden.

Und das ist die wahre Stärke dieser politischen Arbeits- und Lebensform. Menschen, die Leben regeln, müssen im permanenten Austausch darüber bleiben, wie Probleme denn zu lösen sind. Sie müssen bereit sein, sich aufeinander einzulassen, voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungen zu finden. Und ich glaube da liegt das eigentliche Versagen von Boris Johnson.

Aber vielleicht irre ich mich auch – und gerade er kommt zum Ziel. Denn das ist manchmal das Wunderbare an der Demokratie. Es kommt dann doch mitunter ganz anders als geplant. Wie diesen Sommer in Italien.

 

Losung für Samstag, den 7.9.2019:

Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Habakuk 2,4

Jesus spricht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Matthäus 11,29

 

 

Im evangelischen Gesangbuch steht ein Kindergebet (eg 927):

Jesus Christus,

öffne meine Augen, dass ich die Not anderer sehe;

öffne meine Ohren, dass ich auch stumme Schreie höre;

öffne meinen Mund, dass ich nicht schweige zu Unrecht und Ungerechtigkeit;

öffne meine Hände, dass ich nicht festhalte, was mir gehört;

öffne mein Herz, dass ich nicht schuldig bleibe, was ich weitergeben kann: Liebe und Hoffnung.

 





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