08. Juni 2021

Kirche und Stadt erinnern an 450 Jahre Emder Synode


Mit einem Festakt wollen die Stadt Emden und Evangelisch-reformierte Kirche am Donnerstag (10. Juni) an die Emder Synode von 1571 erinnern. Protestantische Glaubensflüchtlinge hatten im 16. Jahrhundert in Emden eine für damalige Zeiten revolutionäre Kirchenverfassung entwickelt.

Mit einem Festakt wollen die Stadt Emden und Evangelisch-reformierte Kirche am Donnerstag (10. Juni) an die Emder Synode von 1571 erinnern. Protestantische Glaubensflüchtlinge hatten im 16. Jahrhundert in Emden eine für damalige Zeiten revolutionäre Kirchenverfassung entwickelt, deren Beschlüsse bis in die heutige Zeit Einfluss auf kirchliche Verfassungen und die staatliche Verfassung haben, sagte Kirchensprecher Ulf Preuß am Montag in Leer. Pandemiebedingt werde der Festakt mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in der Johannes a Lasco Bibliothek per Livestream übertragen.

Als virtueller Gast via Internet werde zum Festakt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erwartet. Die Protestantische Kirche in den Niederlanden (PKN) werde durch Vizepräses Jeannette Galjaard vertreten. Die Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz, Professorin Irene Dingel, werde einen Festvortrag halten.

Vor 450 Jahren hatten sich den Angaben zufolge vom 4. bis zum 13. Oktober in Emden 29 Pastoren und Kirchenälteste aus Flüchtlingsgemeinden getroffen. Die calvinistischen Christen wurden damals in den Niederlanden von der spanisch-habsburgischen Obrigkeit lebensbedrohlich unterdrückt. Viele waren deshalb seit Mitte des 16. Jahrhunderts in nahegelegene sichere Gebiete geflohen, etwa nach Ostfriesland, England oder an den Niederrhein. Dort wurden sie den Ortsgemeinden angeschlossen oder bildeten eigene Gemeinden. Das Gebiet der Niederlande umfasste damals auch das heutige Belgien und Teile Nordfrankreichs.

Einer der wichtigsten Beschlüsse der Zusammenkunft sei der Entwurf einer nicht-hierarchischen Kirchenordnung, hieß es. Ihr erster Satz stehe noch heute in leicht abgeänderter Form in der Verfassung der reformierten Kirche: „Keine Gemeinde soll über andere Gemeinden, kein Pastor über andere Pastoren, kein Ältester über andere Älteste, kein Diakon über andere Diakone Vorrang haben oder Herrschaft beanspruchen.“ Viele Kirchenordnungen weltweit gründeten auf diesen Prinzipien von Selbstbestimmtheit, Gleichheit und Unabhängigkeit vom Staat.

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, betonte: „Die Erinnerung an die Emder Synode ist eine Chance zur Besinnung auf wichtige Grundorientierungen in Kirche und Gesellschaft: Gleichberechtigung, Toleranz, Mitverantwortung.“ Die Emder Synode sei ein erstaunliches Beispiel dafür, wie aus einer akuten Notlage etwas Zukunftsweisendes entstehen könne.

Emden war 2012 als erste Stadt in Europa von der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa mit dem Prädikat „Reformationsstadt Europas“ ausgezeichnet worden. Der Emder Oberbürgermeister, Tim Kruithoff (parteilos) sagte, die „Emder Synode von 1571“ sei über die Kirche hinaus ein Modell für spätere Formen demokratischer Selbstbestimmung und Mitverantwortung. 

Der Festakt wird am 10. Juni, 11:45 Uhr  per Livestream übertragen. Gäste sind Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (virtuell), Vizepräses Jeannette Galjaard, Protestantische Kirche in den Niederlanden (PKN), Professorin Irene Dingel, Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz.

(epd)





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