28. Juni 2021

"Klimakollekte" wird zehn Jahre alt


Die Klimakollekte, der kirchliche Kompensationsfonds für mehr Klimagerechtigkeit, wird zehn Jahre alt. Das Ziel: Wer hierzulande viel Kohlendioxid verbraucht, ist einerseits zur CO2-Reduktion angehalten und finanziert andererseits zum Ausgleich in Ländern des Globalen Südens Klimaschutz-Projekte.

In den ländlichen Gebieten Ruandas bedeuten Lehmöfen gleich doppelten Fortschritt. Denn sie senken nicht nur den Kohlendioxid-Ausstoß, sondern schützen auch die Gesundheit der Frauen, die für das Kochen zuständig sind. Dieser doppelte Nutzen sei ganz im Sinne der Klima-Kollekte, sagt Sina Brod. „Wir wollen Klimaschutz und Armutsbekämpfung verknüpfen und Menschen zu besseren Lebenssituationen verhelfen“, so die Geschäftsführerin des kirchlichen Kompensationsfonds in Berlin. Insgesamt habe die Arbeit der Klima-Kollekte in zehn Jahren über 225 Tausend Tonnen Kohlendioxid-Emission vermieden.   

Doch Sina Brod betont: „Die Klima-Projekte sind eine Übergangslösung. Viel wichtiger ist die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen. Das müssen alle wissen.“ Deswegen sei es das Ziel der Klima-Kollekte, sich irgendwann selbst abzuschaffen, so die 36-Jährige, die zuvor für den Evangelischen Entwicklungsdienst in Kambodscha tätig war.

Die Idee, den eigenen Verbrauch von Kohlendioxid auszugleichen, sei schon älter, erzählt Sina Brod. Im Kyoto-Protokoll von 1997 hätten sich die Vertragsstaaten erstmal zu verbindlichen Zielwerten für den Ausstoß von Treibhausgasen verpflichtet. Teil des Abkommens war neben dem „Cap-und-Trade-Prinzip“ und der „Joint Implementation“ auch der „Clean Development Mechanism“ (CDM), der den Emissionshandel auf dem so genannten „Verpflichtenden Kompensationsmarkt“ zulasse. Durch den CDM wurden Emissionszertifikate aus CDM-zertifizierten Klimaschutzprojekten handelbar. Unternehmen, die gesetzlich zu einer Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet sind, bekommen eine bestimmte Menge an Emissionsrechten, die durch Emissionszertifikate ausgegeben werden. Durch die Begrenzung der Emissionen sind den Unternehmen Einsparungen vorgegeben.

Die Möglichkeit, unvermeidbare Emissionen auszugleichen, gibt es auch auf dem freiwilligen Kompensationsmarkt. Wenn sich bestimmte emissionsintensive Aktivitäten nicht vermeiden lassen, bietet die freiwillige Kompensation von Treibhausgasen die Möglichkeit, entstandene Emissionen auszugleichen.

Die kirchliche Klima-Kollekte sei ein Angebot neben zehn bis 15 weiteren Anbietern, von denen einige wirtschaftlich orientiert seien, sagt Sina Brod. Die Klima-Kollekte mit ihren im Vergleich teureren Zertifikaten arbeite allerdings eng mit den Menschen vor Ort zusammen. Die Projekte würden von Partnerorganisationen vor Ort betreut und seien nach dem „Gold Standard“ zertifiziert.  „Das sind Projekte, die nachweislich zur Reduktion von Treibhausgasen führen und gleichzeitig hilfreich für die lokale Umwelt und die sozialen Belange der Bevölkerung sind“, so Brod weiter. „Wir wollen mehr Gerechtigkeit in der Welt.“

Rund zehn Tonnen Kohlendioxid verbraucht der jeder und jede Deutsche durchschnittlich im Jahr. Wenn man den „ökologischen Fußabdruck“ ausgleichen möchte, kann man eine Spende an die Klima-Kollekte überweisen. „25 Euro kostete der Ausgleich einer Tonne CO2 bei uns“, sagt Sina Brod. Rund 1,2 Millionen Euro kamen so an Spendeneinnahmen von Privatpersonen, Unternehmen aber auch Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen in den letzten beiden Jahren zusammen, so die Geschäftsführerin.

Die Lehmöfen für 6000 Haushalte in Ruanda seien eins der 15 derzeit geförderten Projekte. Gefördert würden jedoch auch kleinere Projekte wie zum Beispiel eine Biogasanlage für mehrere Haushalte auf Kuba. „Ein kleines, aber schönes Projekt.“ Die Projektentwicklung liege jeweils bei den Gesellschafterhäusern und ihrer Partnerorganisationen vor Ort der Klima-Kollekte, sagt Sina Brod. Dazu gehören u.a. Brot für die Welt, die Caritas, Misereor, aber auch die EKD.

Daneben bietet die Klima-Kollekte auch Hilfen vor Ort in Deutschland. Dazu zählen Gemeindeschulungen. „Wir zeigen Gemeinden, welche klimafreundlichen Maßnahmen sie ergreifen können. Zum Beispiel beim Catering. Die Klimakrise können wir nur alle zusammen bewältigen“, so Brod.

Sven Kriszio/EKD





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