06. August 2019

Wieder lernen, das Leben zu genießen


Die Diakonie Saar bietet „Ambulante Hilfen für Menschen mit Behinderungen“ im ganzen Saarland an. Unter der Maßgabe „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen die Mitarbeitenden Menschen mit Behinderung unter anderem dabei, ihren Alltag zu strukturieren und den Haushalt zu organisieren.

Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die Johanna Tometten, Leiterin der „Ambulanten Hilfen“ der Diakonie Saar, schon betreut hat. Da ist der 50-jährige Mann mit einer schweren Augenkrankheit, der mit der Zeit zusehends erblindet. Sein Zuhause war immer mehr verwahrlost. Tometten sorgte für eine neue Wohnung und eine Haushaltshilfe. Er bekam eine bessere Lesehilfe. Nach vier Jahren konnte er schon fast wieder für sich selbst sorgen.

 

Mit 21 Jahren kam ein junger Mann zu Tometten. Er war durch jegliches Hilfesystem gefallen, konnte kaum lesen und schreiben, war geistig behindert. Dazu kamen psychische Probleme.  Er hatte zwar eine eigene Wohnung, aber ständig gab es Streit mit den Nachbarn. Die Sozialarbeiterin begleitete ihn zu Ärzten, zum Jobcenter und besuchte ihn regelmäßig. „Irgendwann ist er dann untergetaucht“, berichtet sie. Was aus ihm geworden ist, weiß Tometten nicht.

 

Seit 20 Jahren wird ein 60-jähriger Jurist über eine „Ambulante Hilfe“ unterstützt. Er lebt vollkommen isoliert und hat schwere Depressionen. Er ruft häufig an, weil er sich verfolgt fühlt. Dann muss Tometten ihn beruhigen. „Immerhin kommt er in seiner Wohnung gut zurecht“, meint die 31-Jährige. Oft sei es erst einmal wichtig, die Situation der Menschen zu stabilisieren. „Ich muss mir immer wieder sagen, dass ich nicht schneller sein muss als die Klientinnen und Klienten. Ich will ihnen nichts überstülpen, das funktioniert nicht“, erläutert sie. Oft genüge es schon, wenn die Betroffenen wieder lernten, das Leben zu genießen und Kontakte zu anderen aufzubauen.

 

„Hilfe zur Selbsthilfe“

Die Diakonie Saar bietet „Ambulante Hilfen für Menschen mit Behinderungen“ im ganzen Saarland an. Unter der Maßgabe „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Menschen mit Behinderung unter anderem dabei, ihren Alltag zu strukturieren und den Haushalt zu organisieren. Sie geben Hilfestellung beim Erledigen der Post und bei behördlichen Angelegenheiten, beim Aufbau sozialer Kontakte oder bei der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. Auch im Umgang mit der Behinderung, beim Bewältigen von Konflikten und bei psychischen Krisen stehen die Mitarbeitenden zur Seite. Zudem gibt es Gruppenangebote, wie zum Beispiel ein gemeinsamer Besuch einer Kletterhalle oder des Theaters. Es wird gekocht, gebastelt, gemalt und vieles mehr. „Dabei stehen immer die eigenen Fähigkeiten der Betroffenen und die Übernahme möglichst vieler eigenständiger Einzelschritte für einzelne Aufgaben im Mittelpunkt der Förderung“, erläutert Tometten.

 

Die „Ambulante Eingliederungshilfe“ richtet sich an erwachsene Menschen mit einer psychischen oder mit körperlicher oder geistiger Behinderung, die in ihrer eigenen Wohnung leben. Finanziert wird sie vom Landesamt für Soziales in Saarbrücken. Bei der Beantragung sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie behilflich, denn es ist ein hoher bürokratischer Aufwand nötig. Oft gestaltet sich das Auftragsverfahren dadurch sehr aufwändig und für Betroffene kompliziert. Leider  sei die  Zeit  bis zu einer Bewilligung viel zu lange, manchmal bis zu einem Jahr, sagt Tometten. Dann fällt es sehr schwer adäquate Hilfen für unterstützende Leistungen zu organisieren.  

 

Dabei steigt die Nachfrage im Saarland und auch bundesweit. Nach einer Studie des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart aus dem Jahr 2018 zur Versorgung psychisch behinderter Menschen im Saarland, hat sich die Anzahl der Menschen, die eine ambulante Eingliederungshilfe benötigen, von 2011 bis 2018 verdoppelt. Die Prognose geht von einem weiteren Anstieg bis 2023 um mindestens 400 bis zu 770 Personen auf dann 1.625 beziehungsweise 1991 Personen aus.

 

Ambulante (Betreuungs- und Förder-)Hilfen für Menschen mit seelischer, körperlicher oder geistiger Behinderung der Diakonie Saar

  • Landkreis Neunkirchen, Telefon: 06821/25025, ah-nk@dwsaar.de
  • Saar-Pfalz-Kreis, Telefon: 06841/ 9599089, ah-spfk@dwsaar.de
  • Regionalverband Saarbrücken, Telefon: 0681/ 38983-17,ah-sb@dwsaar.de
  • Landkreis St. Wendel, Telefon: 06851/8007613, ah-nk@dwsaar.de
  • Landkreis Merzig-Wadern und Saarlouis, Telefon: 06831/ 7647247, ah-sls@dwsaar.de

 

 





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