30. Juni 2021

Zehn Jahre Bundesfreiwilligendienst – Diakonie RWL befürwortet Rechtsanspruch auf FSJ und BFD


Zum zehnjährigen Jubiläum des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) am 1. Juli spricht sich das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) für einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst aus - und gegen ein soziales Pflichtjahr.

"Statt immer wieder über ein soziales Pflichtjahr für junge Menschen zu diskutieren, sollten wir die Freiwilligendienste ausbauen und jedem Jugendlichen, der einen solchen Dienst machen möchte, einen Platz anbieten", erklärt der juristische Vorstand der Diakonie RWL, Thomas Oelkers. "Das wäre das richtige politische Signal, denn die Freiwilligen leisten Großartiges für alte und kranke Menschen, Kinder und Menschen mit Behinderung."

Bereits heute engagieren sich bundesweit jährlich rund 100.000 Menschen in einem Freiwilligendienst. Knapp 40.000 von ihnen machen einen BFD. Die Zahl der geförderten Plätze ist aber gedeckelt, nicht alle kennen die Möglichkeit eines Freiwilligenjahres oder müssen hohe Hürden überwinden, um ein FSJ oder BFD machen zu können. Das gilt etwa für Langzeitarbeitslose, die oft sehr hartnäckig sein müssen, damit das Jobcenter einem BFD zustimmt, oder für Geflüchtete und Menschen mit Behinderung.

10 Jahre BFD – eine Erfolgsgeschichte

"Zum zehnjährigen Jubiläum ziehen wir eine positive Bilanz des BFD", betont Mathias Schmitten, Leiter der Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL. "Wir erreichen damit Menschen in ganz verschiedenen Lebenslagen und können ihnen passgenaue Angebote machen." Allerdings sei die Vielfalt der BFD-Programme, die auch in Teilzeit angeboten werden, noch zu wenig bekannt, bedauert Schmitten. Denn auch für ältere Menschen, die sich beruflich noch mal umorientieren oder im Rentenalter für eine bestimmte Zeit mit einer guten pädagogischen Begleitung engagieren wollten, biete der Freiwilligendienst viele Chancen.

Bei der Diakonie RWL starten jährlich etwa 2.000 Freiwillige in ein BFD oder FSJ. 95 Prozent der Freiwilligen sind junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Rund 40 Prozent der jugendlichen Teilnehmenden entscheiden sich nach dem Freiwilligendienst für eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Bereich.

Bessere Chancen auf Ausbildung

Noch höher ist diese Zahl derzeit bei Jugendlichen mit einem Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss, die geringere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Sie erhalten im Programm MOVE die Möglichkeit, sich in einem sozialen oder pflegerischen Beruf auszuprobieren. Mindestens drei Viertel von ihnen beginnen nach dem Freiwilligendienst eine Ausbildung in diesem Bereich. Rund ein Viertel wird direkt von den Einsatzstellen – meistens sind es Einrichtungen der Altenhilfe – als Auszubildende übernommen.

"Die vielen Möglichkeiten, die ein Freiwilligendienst bietet, müssen bekannter werden. Aber es ist auch wichtig, dass die Politik dafür sorgt, dass Freiwillige den Öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können, Taschengelder angemessen gefördert und bürokratische Hürden abgebaut werden, damit sich jeder Mensch einen Freiwilligendienst leisten kann", fordert Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. "Das alles sollte mit einem Rechtsanspruch einhergehen."

 

Hintergrund:
Seit Start des BFD haben rund 45.500 Freiwillige einen Dienst in Einrichtungen der Diakonie und der evangelischen Jugendarbeit absolviert. Insgesamt beginnen in der Evangelischen Trägergruppe pro Jahr rund 13.500 Menschen einen Freiwilligendienst (BFD, FSJ, FÖJ oder internationaler Freiwilligendienst). Rund ein Drittel der Freiwilligen macht einen Bundesfreiwilligendienst. Mit rund 2.000 Freiwilligen ist die Diakonie RWL bundesweit der größte evangelische Anbieter eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes.





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